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Der Grund der zahlreichen Verbände und Vereinigungen im Karate liegt vor allem in seiner Natur begründet. Schon in früheren Zeiten, so heißt es, soll es verschiedene Schulen gegeben haben, die miteinander konkurrierten. Mit der Maßnahme von verschiedenen Lehrmeistern, mehr als eine handvoll Schüler zu akzeptieren sowie der Einführung des Karate in die schulische Ausbildung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, erhöhte sich die Zahl der aktiven Karateka maßgeblich. Mit der Verbreitung des Karate nach Japan und der anschließenden Internationalisierung durch japanische Verbände und ehemalige in Okinawa stationierte GI in den 1950er Jahren, beschleunigte sich diese Entwicklung. Jeder wollte schließlich sein Schule repräsentieren, und viele nahmen es für sich in Anspruch, legitimer Nachfolger ihres Lehrers zu sein. Ein Phänomen, das sich durch nahezu alle Karate-Stile zieht. Die Genealogie der Karateverbände spricht ein klares Bild. Für das Beispiel des Karate, das auf Funakoshi Gichin zurückzuführen ist, gibt es auf internationaler sowie auf nationaler Ebene eine Vielzahl von Organisationen.

Karateverbände

Die Co-Existenz von zahlreichen nationalen sowie internationalen Karateverbänden sowie deren Wettbewerb untereinander ist wohl ein maßgeblicher Grund dafür, dass das Karate als „combat and martial arts sports“ bisher nie bei den Olympischen Spielen als Sportart zugelassen war.

Man kann sich nun die Frage stellen, was die Motivation ist, sich loszulösen und einen eigenen Weg mit einer eigenen Organisation zu gehen. Sind es (macht-)politische oder finanzielle Gründe? Oder sind es einfach Meinungsverschiedenheiten über das Verständnis des Stils und der Auffassung des Lehrers? Wenn man das Konzept des „Shu Ha Ri“, also die Entwicklungsstufen beim Lernen einer Budodisziplin, für eine Begründung heranzieht, gibt es einen weiteren Ansatz, warum sich ein Schüler von seinen Wurzeln trennt. Es heißt, dass es in der Stufe „Shu“ vor allem um das Erlernen von Techniken und Formen geht. Der Schüler akzeptiert das, was der Lehrer ihm zeigt. In der nächsten Stufe („Ha“) gestaltet der Schüler nun die gelernten Techniken freier. Er entwickelt sich weiter. Beim „Ri“ geht es schließlich um das Loslassen. Er macht eigene Erfahrungen und wird zunehmend unabhängiger. Nach und nach trennt er sich von seinem Lehrmeister. Dieser Tradition folgend muss er sich irgendwann zwangsläufig von der Lehrer-Schüler-Beziehung und eventuell von der ihm eine Heimat bietenden Organisation trennen.

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