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Andreas Quast ist Budoka, Autodidakt, Autor und Fotograf. Schwerpunkt seiner Forschungen ist die Geschichte und Anwendung verschiedener Kampfmethoden. Quast trainiert Karate, Kobudo und hat derzeit u.a. den 3. Dan Matsubayashi-ryu sowie den 2. Dan Ryûkyû Kobudô Hozon Shinkôkai.

Herr Quast, was fasziniert Sie an den Kampfkünsten?

Mich fasziniert die kämpferische Bewegungskultur als solches, ebenso die kurzen und langen Reisen, welche ich oft und gerne unternehme. Ferner begeistern mich auch interkulturell-historische Studien, gekoppelt mit Sprachstudien. Ich glaube, ich habe mehr oder weniger große Schnittmengen in jeder denkbaren Faszination, die man in diesem Bereich nur haben kann. Wenn ich aber einen mir besonders wichtigen Punkt hervorheben müsste, würde ich sagen, dass mich eigentlich immer vor allem Persönlichkeiten interessieren oder faszinieren. Das ist völlig stilunabhängig. Beispielsweise habe ich nie bewußt einen bestimmten Stil gewählt, sondern mich vielmehr entschieden, für eine gewisse Zeit einem bestimmten Lehrer zu folgen. Wenn ich so überlege, sind es vor allem positive Charaktereigenschaften, ein weltoffener Charakter, die mich irgendwie anzuziehen scheinen. Technischer Anspruch allein, wie raffiniert auch immer, oder eine auch noch so überzeugende Beweisführung über die Überlegenheit eines Stils, beeindrucken mich nicht im Geringsten.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen Kampfkunst und Kampfsport?

Man kann Boxen, Fechten und Ringen sicher ohne Weiteres gleichermaßen als Kampfkunst wie auch als Kampfsport bezeichnen, ohne dass man sagen könnte, dass dies falsch sei. Rugby ist in gewisser Hinsicht sicher ein Kampfsport, der auf der taktischen und strategischen Ebene und deren praktischer Umsetzung gleichermaßen die Attribute einer Kunst erfüllt.

Kampfkunst und Kampfsport werden bei uns üblicherweise verwendet, um Unterschiede in der Art und Weise des Unterrichts, der Ziele, der Tradition etc. einer bestimmten Methode wie z.B. Karate zu verdeutlichen. Und in diesem Falle sagen die Begriffe bereits, wo der Unterschied liegt.

Die Problematik der beiden Begriffe liegt in ihrer ungenauen Definition, die sie schwammig und inakzeptabel macht. Weder akzeptiert der Kampfsportler die Definition von Kampfsport, wie sie vom Kampfkünstler gegeben wird, noch akzeptiert der Kampfkünstler die Definition von Kampfkunst, wie sie vom Kampfsportler gegeben wird. Ein Teufelskreis.

Andreas QuastKönnen Sie das am Beispiel Japan erläutern?

Nehmen wir nun einmal an – nur zum Zwecke der vereinfachenden Abstraktion, versteht sich – dass wir uns bei diesen Überlegungen auf Japan beziehen, dann lässt sich leicht feststellen, dass eine Definition und Unterscheidung der Begriffe Kampfkunst und Kampfsport analog den japanischen Begriffen Bujutsu und Budô im engeren Sinne gar nicht zulässig ist, weder in ihrer wörtlichen Übersetzung noch in ihrer expliziten Beschreibung. Die in öffentlichen Diskussionen oft vorausgesetzte Bedeutungsanalogie der westlichen Begriffe Kampfkunst und Kampfsport zum japanischen Bujutsu und Budô ist schlicht und einfach fehlerhaft.

Beispielsweise ist Karatedô Teil des japanischen Budô. Budô wiederum ist per Definition unter anderem. einer der Pfeiler der japanischen Erziehung. Ein solcher übergeordneter Zusammenhang fehlt in der Definition von – sagen wir mal – „Kampfsport“ völlig. Bujutsu (in Japan) ist per Definition eine zur Kunstform vollendete und über viele Generationen überlieferte kämpferische Fertigkeit. Diesem wird als lebendig erhaltenes Kulturgut äußerste Wertschätzung entgegengebracht. Ob der Stil von den Methoden her überlegen gegenüber einem anderen Stil, oder vielleicht sogar allen anderen Stilen ist, spielt dabei gar keine Rolle mehr. Der Begriff „Kampfkunst“ erscheint mir da weit weniger non-opportun.

Schwenken wir kurz nach Okinawa, um das Ganze noch deutlicher zu machen: hier finden wir einige ältere Karate- und Kobudô-Experten, die zum „Lebenden Nationalen Kulturdenkmal“ designiert wurden, eben genauso wie es einer Lehrerin des klassischen Ryûkyû-Tanzes oder einer Meisterin der japanischen Zither geschehen kann.

Japanische Budô und Bujutsu waren ursprünglich furchterregende und für viele Menschen unzugängliche Kampfmethoden, und als solche werden sie selbst heutzutage noch von vielen Menschen als in sich verwerflich oder gar abstoßend empfunden. Dasselbe kann man sagen, wenn man ganz allgemein von Kampfsport und Kampfkunst spricht. Japanische Budô und Bujutsu beinhalten neben der praktischen Funktion als kämpferische Methode jedoch einen künstlerischen Aspekt, der sich aus einer originär-japanischen Ästhetik ableitet, die für uns schwer zu begreifen ist. Dies gilt vor allem im Bereich altüberlieferter Traditionen. Die spezielle Form der kriegerischen Ästhetik, welche sich in den japanischen Budô und Bujutsu findet, ist – um es in einigen Worten grob und allgemein zu umschreiben – von flüchtiger und sachlicher Schönheit, unterstreicht im wörtlichen wie im übertragenen Sinne eine durch Alterung hervorgerufene, natürliche Patinierung der Dinge, und offenbart profunde Eleganz und Feinsinnigkeit. In den westlichen Interpretationen der Begriffe Kampfsport und Kampfkunst ist von solche elaborierter Veredelung nichts zu finden. Stattdessen werden die Lücken mit eigener Kultur ausgespachtelt, wie z.B. dadurch, dass ein vergrößerter Wert auf Athletik, Bodybuilding, Stretching, Selbstverteidigung, Straßenkampf etc. gelegt wird. Dies ist dann wahlweise Kampfkunst oder Kampfsport, aber kein Bujutsu oder Budô mehr. Ohne dies weiter ausführen zu wollen sind Budô und Bujutsu das Ergebnis einer Filterung und Veredelung, Kampfsport und Kampfkunst sind oft das Ergebnis einer Vermischung und Vereinfachung, teilweise simpler Verrohung.

Der in Japan im Budô wie im Bujutsu gleichermaßen als implizit betrachtete Gesellschafts-, Kultur- und Ästhetikaspekt fehlt in der westlichen Adaption der Begriffe Kampfkunst und Kampfsport fast völlig. Deshalb sind sie – in diesem Zusammenhang – als unzulässige Analogien zu betrachten und entweder genau zu definieren, oder aber zu verwerfen. So stellt sich das streng genommen für mich dar. Andererseits kann man vielleicht vereinfachend sagen und gelten lassen, dass es sich bei Kampfsport – wie der Name schon sagt – um einen vergleichsweise spielerische Variante handelt, die ganz allgemein der westlichen Vorstellungen eines Sportes mit hohem technisch-athletischen Anspruch und einer allen Sports inhärenten menschlichen Veredelung entspricht, während es sich bei Kampfkunst wohl eher um eine vergleichsweise ernste Variante handelt, die ganz allgemein der westlichen Vorstellungen einer zweckgerichteten Kunst mit hohem technisch-ästhetischen Anspruch und einer allen Künsten inhärenten menschlichen Veredelung handelt. Aber eigentlich bin ich nicht in der Lage, hier eine vernünftige, abschließende Definition zu formulieren.

Sie üben seit vielen Jahren verschiedene Kampfkunstdisziplinen. Welche Lehrmeister haben Sie am meisten beeindruckt?

Wirklich beeindruckt hat mich vor allem Fritz Nöpel Sensei vom Yuishinkan Gôjû-ryû. Dann ist da Hamamoto Hisao Sensei, bei dem ich Battôjutsu und Iaijutsu studiere. Im Ryûkyû Kobudô ist es Akamine Hiroshi Sensei. Alle Lehrer, die ich bisher bewundert habe, besaßen neben herausragender technischer Expertise ein ungeheures Maß an Lebenserfahrung, Gelassenheit und Wohlwollen. Ich nenne dies den „Großvater-Faktor“.

Sie leben und trainieren derzeit auf Okinawa. Was raten Sie denjenigen, die dort ebenfalls trainieren wollen?

Obwohl es möglich ist, ein beliebiges Dôjô aufzusuchen, sich dort persönlich vorzustellen, um Erlaubnis zum Training zu fragen und zugelassen zu werden, ist dies sicher von Dôjô zu Dôjô und von Sensei zu Sensei verschieden. Jedenfalls sollte man vor der Anreise versuchen, Kontakt aufzunehmen, entweder über einen Vertreter des Stils im Heimatland, über die internationalen Webseiten größere Organisationen oder Dôjô, oder über jemanden, der schon einmal dort trainiert hat oder gerade dort trainiert. Es vereinfacht viele Dinge wie die eigentliche Zulassung zum Dôjô, aber auch Anreise, Unterbringung etc., für die man ansonsten wertvolle Zeit vor Ort verschwenden müsste. Vor drei Jahren habe ich hier jemanden im Guesthouse aufgegabelt, der seit zwei Wochen ein Dôjô gesucht und keins gefunden hatte. Auf Okinawa gibt es über 400 registrierte Dôjô, aber auf der Strasse nach irgendeinem Dôjô zu fragen, muss nicht unbedingt zum Erfolg führen.

Hat man sich für ein Dôjô oder einen Stil entschieden und wird mit offenen Armen willkommen geheißen, bieten sich oft hinreichend Möglichkeiten zum Training, Apres-Karate und zum Sightseeing. Viele Okinawaner sprechen mehr oder weniger gut Englisch, was sehr hilfreich ist. Des Weiteren trainieren zahlreiche Ausländer hier, die üblicherweise gerne helfen.

Befindet sich das Dôjô in Naha, ist der Transport in fast alle Stadtteile mit der Monorail möglich, z.B. vom Flughafen in die Innenstadt oder nach Shuri. Für andere Orte ist der Bus, Taxi oder ein Fahrer notwendig. Der bei uns erhältliche internationale Führerschein ist für Okinawa meines Wissens nicht ausreichend. Statt dessen benötigt man eine beglaubigte Übersetzung des eigenen Führerscheins von z.B. der Deutschen Botschaft in Tôkyô o.ä., mit dem man fahren darf, ohne eine weitere Prüfung ablegen zu müssen. Details sollten bei der Botschaft erfragen werden. Wie auf jeder Auslandsreise sollte man sich etwas mit der Kultur und der Sprache vertraut machen, so gut es geht.

Die einzelnen Dôjô sind sehr stolz auf ihre Tradition, d.h. die persönlich überlieferten Techniken und Kata etc. Es ist immer schwierig, sich neu auszurichten, aber die Techniken unterscheiden sich häufig in Details, auch wenn sie dieselben Namen tragen wie daheim. Sind Sie nicht graduiert in dem Stil, zeigen Sie Respekt vor dieser Tradition indem Sie einen weißen Gürtel tragen, falls dies nicht ausdrücklich anderweitig gewünscht wird. Sind Sie erfolgreich im Dôjô angekommen, ergeben sich weitere Möglichkeiten. Man kennt sich hier und wenn Sie Interesse an einem anderen bestimmten Stil oder Dôjô haben, fragen sie vorsichtig, ob es möglich ist, Kontakt herzustellen. Vielleicht wird man Sie sogar dort hinfahren. Vielleicht leiht man Ihnen auch ein Fahrrad. Man versteht es nicht, aber man ist es hier gewohnt, das Ausländer Dôjô-Hopping machen, die meisten Sensei schütteln jedoch den Kopf darüber und sind gar nicht „so amused“.

Die Dôjô haben üblicherweise eine der unsrigen übliche Trainingsroutine: drei mal die Woche 1 ½ bis 2 Stunden reguläres Training; that’s it. Allerdings kann man in vielen Dôjô jeden Tag trainieren, bekommt eventuell einen Schlüssel dazu oder wohnt gar darin. Manche Dôjô führen ihr reguläres Training einfach weiter, auch wenn Gäste da sind, andere bemühen sich um einen vollgestopften Terminplan. Es kann sein, dass man jeden Ihrer Urlaubstage für Sie verplant. Wenn Sie also Sightseeing machen oder die umliegende Inselwelt erkunden wollen, kündigen Sie dies frühzeitig an. Manche Dôjô machen für Gäste ein Spezialprogramm, wo gut und gerne zwischen 4 – 8 Stunden am Tag zusammenkommen können. Als Reise- und Trainingszeit ist Mitte Februar bis Mitte Juni und von Mitte September bis Ende November zu empfehlen.

Wie sieht das Training im Honbu Dojo des Matsubayashi-ryu in Naha Kumoji aus?

Das Honbu Dôjô des Matsubayashi-ryû in Naha Kumoji liegt direkt in einer Seitenstrasse der Kokusai dori, der Prachtstrasse Okinawas. Das Viertel ist gespickt mit tollen kleinen Restaurants und Bars. Der Name des Dôjô ist Kôdôkan, geschrieben mit denselben Kanji wie das berühmte Jûdô-Hauptquartier in Tôkyô, und es befindet sich in Nagamine Takayoshi Sensei’s Haus. Alle Dan-Urkunden des Stils sind mit einem Stempel mit der Aufschrift „Matsubayashi-ryû Sôke Siegel“ versehen, welches aus dem Besitz von Ôsensei Nagamine Shôshin stammte und welches Nagamine Takayoshi Sensei erbte. Deshalb reden ihn die Schüler üblicherweise mit Sôke an.

Das reguläre Training ist Montags, Mittwochs und Freitags, jeweils ab 19:00 Uhr beginnend. Normalerweise sind nicht viele Studenten dort. Manchmal leitet Sôke vor dem Training eine kurze Zen-Meditation. Das Training folgt einer festen Routine, die ab und zu durchbrochen wird. Es beginnt mit einem festen Set an Aufwärmübungen, dann einem Set an Karate-Techniken, und dann Grundschule in der Bewegung. Danach folgt eine erste, oft bereits notwendige Trinkpause. Je nachdem, mit welcher Intensität und wievielen Wiederholungen dieser erste Teil durchgeführt wird, kann es sein, dass man sich bereits völlig erschöpft und schweißgebadet auf dem Dôjôboden wiederfindet, selbst bei guter Konstitution. Danach folgen Fukyu Kata I und II, Naihanchi und weitere Kata, Kata-Bunkai, Yakusoku Kumite, etc. Oft geht Sôke irgendeiner Beschäftigung nach, kommt dann und wann ins Dôjô und gibt Korrekturen, und verschwindet wieder.

Wer wirklich etwas lernen will, bekommt aber Privatunterricht von ihm, der sich am Tag gut und gerne auf sechs Stunden kumulieren kann, die es in sich haben. Keine Bewegung bleibt unkommentiert und wieder und wieder erläutert er die Grundlagen und fordert dessen genaue Umsetzung ein. Alleine mit ihm zu trainieren ist eine elementare Erfahrung. Da ist keine Gruppe, hinter der man sich verstecken kann, kein anderer, der noch „schlechter“ ist. Entweder Sie sind sein Schüler, oder nur einer von vielen Karate-Touristen. Wenn Sie Schüler werden wollen, dann interressiert Sie vielleicht einer seiner Lieblingsausprüche: „Budô ist keine Demokratie!“

Wenn ausländische Gäste zum Training kommen, lässt er das Training mitunter von anderen leiten. Jeder Stil hat spezielle Methoden der Bewegungsausführung, die ihn sofort – und ich meine unmittelbar und eindeutig – unterscheidbar machen. Leider beschränken sich viele Leute darauf, nur die Enbusen zu lernen, was jede Kata zu x-beliebigem Karate macht. Das kann er nicht so gut leiden.

Auf Okinawa haben Sie Bekanntschaft mit dem Koden Hachiman-ryu Jissen Battôjutsu gemacht. Was ist das für ein Stil?

Der Urspung des Hachiman-ryû, so Sensei, liegt über 700 Jahre zurück, in der Kamakura-Zeit (1185-1333). Beheimatet auf Kyûshû, hatten die Hamamoto vom 13. bis zum frühen 17. Jahrhundert in den Küstengebieten von China, Korea und Kyûshû eine prestigeträchtige Stellung als sogenannten Wakô Suigun, d.h. Marinesoldaten der „Piraten-Händler“ inne. Der Begriff Wakô (Piraten) ist allerdings irreführend, und im eigentlichen Sinne handelte es sich um internationale Händler, die ihre wertvolle Fracht durch Marinesoldaten schützen ließen, zu welchen die Hamamoto-Familie zählte. Der Name Hachiman-ryû stammt daher, dass die Schiffe der Wakô als Hachiman-sen bezeichnet wurden. Hachiman ist der japanische Gott des Krieges und wurde bewusst von den Wakô als Name ihrer Schiffe gewählt.

Diese Schwertkunst wurde seit dieser Zeit ohne Unterbrechung innerhalb der Hamamoto-Familie überliefert. Sensei erklärte mir, dass die Schwerttechniken bis in die vorige Generation ausschließlich innerhalb der Familie weitergegeben wurden. Erst, nachdem sein Vater vor ca. 30 Jahren starb, öffnete Sensei den Stil für Außenstehende. Mir ist bekannt, dass er einen Bruder hat, und seine Tochter die Kunst bei ihm mit einem der alten Schwerter aus dem Familienschatz lernte. Sein ältestes Schwert ist ca. 700 Jahre alt.

Die ersten zwölf Tachi-waza des Hachiman-ryû werden alle aus dem normalem Gehen heraus ausgeführt, und es spiegeln sich darin Szenarien in Hafenstädten, Angriffe von Banden u.ä. wieder. Die darauf folgenden sieben Okuden Kata mit ihren aus dem Halbkniesitz heraus gesprungenen und im abgeknieten Zustand gelandeten Waza wiederum spiegeln Techniken wieder, die für die Verwendung an Bord von Schiffen auf See gedacht waren. Suwari-waza aus Seiza, wie sie üblicherweise im Iai ausgeführt werden, sind hier nicht zu finden.

Während Suburi und vor allem Kata als Grundlage gelehrt werden, werden die für die praktische Ausführung der einzelnen Schnitte der Kata notwendigen technischen Elemente mittels des Schnitttestes (Tameshigiri) ermittelt, verifiziert und gefestigt, und schließlich in die Kata zurückreflektiert. Die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Kata und Tameshigiri wird von Sensei als notwendig für einen technischen Fortschritt erachtet. Deshalb findet auf Okinawa einmal monatlich ein großer Schnitttest statt. Mit zehn bis zwanzig Teilnehmern, 5 bis 10 Makiwarastationen, und durchschnittlich 130-150 Makiwara ist dies wirklich ein Spektakel. Die Schüler trainieren dabei die Techniken dieses Stils, die mit großem Schwung ausgeführt werden, unter Verwendung eines Shinken, das heisst eines scharf geschliffenen, echten Schwertes.

Manch einer mag sich wundern, weshalb es so wenige Infos zu dem Stil gibt. Tatsächlich bin ich der erste Europäer, der Kirikami erreichte, und der erste Ausländer überhaupt in der Geschichte des Hachiman-ryû, der die sieben Okuden Kata des Stils überhaupt zu Gesicht bekam. Nach allem, was ich über Bujutsu, dessen Traditionen, Reglementierungen usw. weiß, ist dieser Stil selbst für Japan eine kleine Sensation. Japaner, die als Touristen nach Okinawa kommen und Sensei treffen, sind häufig völlig begeistert von Sensei. Der Grund dafür ist, dass er ein – wenn auch kleines – ganz außergewöhnliches Stückchen des kulturellen Erbes Japans erhalten hat, welches im Schatten der Internationalisierung des Budô und der damit einhergehenden technischen Standardisierungen fast unbemerkt, jedoch voller Kraft, vor sich hin blühte.

SchwertkampfDie Fotos wurden freundlicherweise von Andreas Quast zur Verfügung gestellt.

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