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Ostasiatische Kampfsysteme sind weltweit bekannt. Kendo und Iaido sind anerkannte Schwertkampfdisziplinen. Das japanische Schwert – das Katana – nimmt eine besondere Stellung sowohl in den Kriegskünsten als auch in der Kulturgeschichte Japans ein. Aber auch Europa besitzt eine eigene historische Schwertkampftradition, die bis in das Mittelalter zurückreicht, jedoch über die Jahrhunderte größtenteils in Vergessenheit geraten ist.

In Düsseldorf bestand an diesem Wochenende die Möglichkeit, sich einen Einblick in eine besondere Form des Schwertkampfes zu verschaffen, die Berührungspunkte mit der traditionellen mittelalterlichen Technik besitzt. Die „Disciplina della Spada“ ist eine Trainingsmethode mit einem zweischneidigen Schwert, deren Techniken allerdings überarbeitet wurden, um jede der einzelnen Bewegungen ästhetischer und kraftvoller werden zu lassen. Das Ziel der Übungen ist es, den gesamten Körper mit einzubeziehen.

SchwerterViel Aufmerksamkeit wird bei der „Disciplina della Spada“ auf die Stabilität des Körpers, das Gleichgewicht, die verschiedenen Positionen und die Atmung gelegt. Alles Aspekte, die gewöhnlich als Charaktereigenschaften der orientalischen Kampfkünste angesehen werden. Das Schwert sowie die technische Basis für den Umgang mit der Waffe wurde hingegen vom Okzident übernommen, so beschreibt ein Informationstext die Disziplin. Die Initiatoren legen allerdings einen großen Wert darauf, dass es sich bei der „Disciplina della Spada“, weder um eine „historisch mittelalterliche Wiederbelebung, noch um eine orientalische Kampfkunst“ handelt. Vielmehr sehen sie die Disziplin als eine „neue Trainingsmethode, die Körper und Geist gleichermaßen mit einbezieht“.

ÜbungsgruppeNach einem halbstündigem Aufwärmprogramm mit lockerem Mobilisieren, Dehn- und Kräftigungsübungen wurden die rund 70 Teilnehmer der Nachmittagseinheit in zwei Gruppen eingeteilt. Ein Großteil der Akteure trug ein rotes T-Shirt, das eigens für das Lehrgangswochenende angefertigt wurde. Darunter mischten sich vereinzelt auch andere Farben. Der Lehrgangsleiter Gianmarco Gioia trug als einziger ein blaues T-Shirt. Reiner Zufall, wie sich später herausstellte. Denn bei der „Disciplina della Spada“ gibt es kein durch Farben dokumentiertes Graduierungssystem, wie beispielsweise im Judo oder Karate. Geübt wurde mit einfach Holzstöcken, die leichter als die zweischneidigen Schwerter sind und gleichzeitig das Verletzungsrisiko reduzieren.

Übung-2Auf der linken Seite der großen Turnhalle trainierten die fortgeschrittenen Schwertkämpfer verschiedene vorgegebene Abfolgen von Angriff- und Abwehrtechniken. Unter Anleitung von Gianmarco Gioia übten sich rund 30 weitere Akteure in den Grundtechniken der Disziplin. „Das Training am Morgen hat uns so gut gefallen, dass wir uns entschieden haben, am Training teilzunehmen“, sagt eine Teilnehmerin, die zuvor noch auf der Besuchertribüne gesessen hatte. Neben Basisübungen, wie die Ausführung der korrekten Schritttechnik sowie die Einhaltung der korrekten Distanz zum Partner für die Partnerübungen, wurden leichte Technikabfolgen studiert: Blocks, Schlagtechniken sowie Stichtechniken. Die Sequenzen sind als Kampfformen konzipiert, bei denen Koordination, Präzision, Kraft und Schnelligkeit zum Einsatz kommen. Übungsleiter Gianmarco Gioia, der seine Anleitungen hauptsächlich auf Italienisch gab und von einem engagierten Übersetzer unterstützt wurde, nahm sich viel Zeit für seine Erklärungen.

Die Technikabfolgen wurden erst langsam und dann schnell und mit Kraftaufwand ausgeführt. Bei den Ausführungen wird ausgeatmet, der Stand ist mit der Karate-Grundstellung Zenkutsu-Dachi identisch. Schlag und Stich mit dem Holzstock wird mit Kime ausgeführt. Es fiel auf, dass verschiedene Bewegungsfolgen einige Ähnlichkeiten zu modernen Kampfsportdisziplinen aufwiesen. „Zumindest bei den grundlegenden Übungen und Techniken gibt es beispielsweise Elemente aus dem Karate“, ließ Lehrgangsleiter Gianmarco Gioia wissen, der auch seit vielen Jahren Shotokan-Karate unter Shirai Hiroshi trainiert.

Gianmarco GioiaLehrgangsleiter Gianmarco Gioia

Die „Disciplina della Spada“ wird hautpsächlich in Italien geübt. In Deutschland gibt es eine Übungsgruppe. Regelmäßig finden Wochenendlehrgänge statt.

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