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Ich habe mich neulich mit einem Freund über Grabenkämpfe, Misstrauen und Streitigkeiten im Kampfsportbereich unterhalten. Ich habe ihn nach dem Grund dafür gefragt: Was soll das alles?

Ich stand früher in der Turnhalle, um etwas zu lernen. Wissensdurst nennt man so was. Auch als ich nicht mehr so aktiv in der Halle war, wollte ich meinen Durst weiter stillen: Bücher, Zeitschriften, Dokumentationen, Foren, persönlicher Austausch … Aber wenn man denkt, dass die ganze Budo-Welt eine harmonische Familie sei, hat man sich getäuscht. Das merkt man leider an vielen Ecken. Was soll das alles, frage ich mich einmal mehr. Vor allem da immer von geistigen und philosophischen Aspekten der Kampfkünste gesprochen wird.

Beispiele darüber gibt es en masse – leider. Was soll das alles – zum Dritten. Und da kommt wieder der gute Bekannte ins Spiel, der derartige Praxis weitaus häufiger und intensiver erfahren hat, als ich es habe. Er erklärt mir und rechnet auf – sehr detailliert -, dass es um Geld und Macht geht: It’s all about the money! So sein Argument. Ralf Pfeifer hat dazu 2011 gar ein Buch geschrieben: „Abzocke im Kampfsport“ hat er es genannt. Aber auch Werner Hopi widmet sich bereits 1981 den „merkwürdigen Geschäften mit Karate und Budo“.

Ein Kampfkunstadept aus dem Westen, so ist dokumentiert, hat in den späten 1970er Jahren gar seinen Lehrmeister in Japan verlassen, weil er merkte, dass im Dojo nicht nur mehr um das Erlernen und die Bewahrung einer alten Kunst ging, sondern die Kommerzialisierung zunehmend an Gewicht gewann. Heute ist das eingetroffen, wovon er sich seinerzeit merklich distanziert hatte.

Und wenn man denkt, das ist alles eine neue Erscheinung, liegt man falsch. Das scheint es im Bereich der Kampfkünste schon länger zu geben. Man erinnere sich nur an die Rivalitäten von Kampfkunstschulen in China, die große Vielfalt von Verbänden im Karate, merkwürdige Assoziationen von Kampfkunst mit eigentlich nicht verwandten Bereichen, die auffälligen Plagiate bei Veröffentlichungen sowie die zahlreichen Verleumdungen in der Szene. Aber nun gut. Vielleicht gehört das einfach alles dazu. Daher könnte ich versucht sein, den Blog-Titel mit „Yes“ zu beantworten. Allerdings sollte  man nicht alles und jeden über einen Kamm scheren.

Man sollte aber aufmerksam beobachten und immer auch hinterfragen, was eigentlich wirklich hinter den Traditionen, Strukturen und Gebilden steckt. Das Gute: Jeder kann selbst entscheiden, ob und in welchem Maße er sich darauf einlässt!

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