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Das japanische Schwert gilt als „beste Blankwaffe aller Zeiten“. Karl Peuker sammelt und handelt mit japanischen Schwertern, Tsuba und Menuki. Der Inhaber einer eigenen Schwertgalerie ist ausgewiesener Kenner der Geschichte, der Eigenschaften und das Wesen des japanischen Schwertes. Vor kurzem erst war Peuker in Japan und hat mit zahlreichen Fachleuten gesprochen. Für HOPLOblog erklärt er uns den wahren Wert des japanischen Schwertes und was man darüber wissen muss.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem japanischen Schwert und den Schwertzierraten. In dieser Zeit lernte ich viele Sammler, Anwender in den Kampfkünsten, als auch einfach Interessierte an diesem Thema kennen.

Kotetsu Wakizashi

Kotetsu Wakizashi, ca. 1655 in speziellem Lack-Koshirae

Das Spektrum des Wissens über das japanische Schwert ist sehr, sehr unterschiedlich. Viele glauben, dass die Klingen welche massenhaft im Internet unter den Namen „Samuraischwert, Katana“ usw. angeboten werden, echte japanische Schwerter sind. Sogar bei namhaften Auktionen werden manchmal Klingen als “japanisch“ beschrieben, deren Ursprünge überall, nur nicht in Japan zu finden sind.

Nehmen wir nun einmal von allen Repliken Abstand und wenden uns dem echten, original japanischen Schwert zu. Möchte man solch ein Stück erwerben sind schon einige tausend Euro zu investieren. Es gibt natürlich auch hier Unterschiede in Qualität und Erhaltung. Und da diese Klingen – obwohl sie auch heute noch als Waffe zu gebrauchen wären – als Kunstgegenstände gehandelt werden, gibt es auch hier Trends, welche sich über lange Zeiträume herausbilden.

Trotz konjunktureller Probleme ist die Nachfrage nach sammelwürdigen Schwertern und Schwertzierraten weltweit gleich bleibend hoch. Bei meinem diesjährigen Aufenthalt in Japan hatte ich wieder die Gelegenheit mit vielen anderen Fachleuten zu sprechen und was für Japan gilt, kann ohne weiters auf uns im Westen übertragen werden.

Waren früher Koto-Klingen (alte Schwertperiode bis ca. 1570) besonders im Alter bis ca. 1390 das Maß aller Dinge, wird heute mehr differenziert. Eine Shinshinto-Klinge (ca. 1780 – 1867) welche sich im Originalzustand befindet, ist heute oftmals mehr wert, als eine gekürzte* Koto-Klinge die nur eine Schulzuschreibung (oder eine Zuschreibung auf den Schmied) besitzt. Besonders bei den hochwertigen Juyo-Klingen (hohes Zertifikat) hat dies zur Folge, dass Stücke, von denen es vergleichsweise viele gibt, in den letzen Jahren stark an Wert verloren haben.

Nicht umsonst ist Kiyomaro (1813 – 1854) einer der höchst bewerteten Schwertschmiede, dessen Klingen – falls überhaupt angeboten – nahezu unerschwinglich sind.

Gefragt sind für den Schmied oder die Schule absolut typische und gut erhaltene Klingen, wobei großer Wert auf vorhandene Signaturen gelegt wird. Besitzt die Klinge noch ein originales Koshirae macht sie dies noch interessanter. Noch vor 20 Jahren hat man Klingen in eine Shirasaya (einfache Montierung aus Magnolienholz) gesteckt und Scheide und Griff einfach weggeworfen, bzw. hochwertige Schwertzierrate in eigens angefertigten Kästchen gelegt. Deshalb sind gute, originale Koshirae mit kompletter Bestückung sehr selten. Oftmals wurden und werden die antiken Zierrate durch moderne Kopien ersetzt.

Monju Katana

Monju Katana, um 1500 in Koshirae, alle Zierrate en suite mit silbernem Wellenmotiv

Spielt man mit dem Gedanken sich eine original japanische Klinge zuzulegen, sollte man sich vor Augen führen, nach welchen Kriterien Museen ihre Exponate aussuchen. Möglichst im Originalzustand, absolut typisch für den Künstler und mit glaubwürdiger, nachvollziehbarer Expertise.

Entgegnet man nun, dass die Samurai die Waffe im Vordergrund sahen, so stimmt dies nicht ganz. Bildung und Kunstverständnis gehörte zur Ausbildung eines Samurai und dies hatte auch zur Folge, dass hochwertige Schwerter geschätzt und in Ehren gehalten wurden. Weitergegeben als Familienschatz von Generation zu Generation.

Nun kann sich heute kaum jemand ein Katana, Wakizashi oder Tanto in absoluter Museumsqualität leisten, aber man sollte versuchen die angesprochenen Punkte zu beachten und auch dem Rat seriöser Fachleute zu vertrauen. Letztendlich kann man nur durch anschauen und Erklärung Erkenntnis erreichen.

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Die Samurai hatten ab der Edo-Zeit (ca. 1600) ein Daisho (Lang- und Kurzschwert) zu tragen. Zu lange Tachi und Katana waren dabei hinderlich und so wurden die meist sehr langen Schwerter der frühen Koto-Zeit gekürzt und verloren dabei die Signaturen.

Die Fotos wurden freundlicherweise von Karl Peuker zur Verfügung gestellt.

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