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HOPLOblog-Gastautor Yannick Schultze war in der weiten Welt unterwegs und hat etwas Tolles mitgebracht: Eine Māori-Mere. Was das ist und wie er dazu kam, schildert er nachfolgend. Ein HOPLOblog-Gastbeitrag.

Als ich meine jährliche Reise nach Polynesien zu Beginn dieses Jahres plante, war mir eine Sache im vornherein klar: Ich will mir eine Mere kaufen. Gesehen hatte ich Meren bereits in unzähligen Büchern über die Māori-Kunst sowie bei meinem letztjährigen Aufenthalt in Neuseeland (so z. B. im Te PapaTongaroa – National Museum Wellington, im Auckland War Memorial Museum oder im Otago Museum in Dunedin). Leider handelte es sich bei diesen Meren selbstverständlich um Ausstellungstücke, die bestimmt nicht zu kaufen waren.

Schließlich bin ich nach Hokitika an der Westküste der neuseeländischen Südinsel gekommen. Dort gibt es das einzige Vorkommen von Jade in Neuseeland. Dieser Ort wird von den Māori „Te Wahi Pounamu“ genannt (Ort des Pounamu) und nebenbei ist hier auch eine Niederlassung der Firma „Mountain Jade“, die sich spezialisiert darauf hat, aus Pounamu (Nepherit Jade) Kunstgegenstände nach Māori-Muster herzustellen; also auch Mere. Einziges Problem: Meine Gewichtsbeschränkung im Reisekoffer und meine verfügbaren Geldmittel. Also hieß es erst einmal weiter träumen.

Aber was ist eine Mere überhaupt? Bei einer Mere handelt es sich um eine Schlagwaffe, die früher von den Māori  im Nahkampf verwendet wurde. Sie hatte bei den Waffen der Māori einen hohen Stellenwert und war meistens eine Waffe eines Rangatira (Häuptling). Innerhalb der Familie wurde sie jeweils dem eigenen Nachfolger weitergeben. Die Herstellung einer Mere hat in früheren Zeiten mehrere Jahre in Anspruch genommen. Heute geht das durch maschinelle Bearbeitung deutlich schneller. Trotzdem gibt es bis dato keine Serienherstellung. Alle Mere, die heutzutage hergestellt werden, sind Einzelstücke und preislich eher was für Sammler.

Zwei bedeutende Mere sind bereits im 17./18. Jahrhundert nach Deutschland gelangt. Der deutsche Naturforscher und Ethnologe Georg Forster, der James Cook auf seiner zweiten Südseereise begleitete, hat sie seinerzeit wohl möglich bei einem Tauschgeschäft erworben. Heute sind sie im Universitätsmuseum zu Göttingen ausgestellt.

Aber wieder zurück zu mir: Nachdem nun etwas Zeit vergangen war, erreichte ich auf meiner Reisroute die Ortschaft Rotorua, die als Mekka der Māori-Kultur auf der Nordinsel von Neuseeland gilt. Auch hier gibt es einen Shop der Firma Mountain Jade, den ich gleich am ersten Tag nach meiner Ankunft besuchte. Nach einem kurzen Stöbern durch den Shop sah ich zwei Mere, die mir allerdings leider nicht so recht gefielen. Sie waren mir zu klein. Meine Frage, ob die Mere in der Shop eigenen Werkstatt zu verkaufen seien, wurde leider verneint, da es sich hierbei um Sonderanfertigungen handelte. Die Verkäuferin bat mir jedoch an, in den beiden Zweigstellen in Hokitika und in Auckland anzurufen, um zu erfahren, ob sie dort noch weitere Mere vorrätig hatten. Doch leider war es für ein Telefonat schon zu spät. Die beiden Läden hatten schon bereits vor einer Stunde geschlossen. So einigten wir uns darauf, dass ich am nächsten Tag wiederkomme. Gesagt getan: Als ich den Laden schließlich wieder betrat, war die Verkäuferin gerade am Telefonieren und gab mir ein paar kurze Handzeichen, um zu warten. Sie zeigte mir ein Bild von einer Mere, die im Auckland Shop stand. Die Verkäuferin aus Auckland wollte sie zuerst nach Rotorua senden, was aber nicht nötig war, denn einer meiner nächsten Stopps war ohnehin Auckland. Also trat ich zwei Tage später in dem anderen Shop, um mir die für mich reservierte Mere anzuschauen. Sie gefiel mir auf Anhieb sehr gut und ich kaufte sie … aller anfänglichen Bedenken zum Trotz.

Das Foto wurde freundlicherweise von Yannick Schultze zur Verfügung gestellt.

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