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Vor vielen Jahren habe ich versucht zu klären, wann Karate erstmalig im deutschsprachigen Raum Erwähnung gefunden hat. Die damalige, nicht veröffentlichte Recherche fand für Jahr 1960 eine erste Quelle, mit dem Hinweis, dass es allerdings frühere deutschsprachige Veröffentlichungen geben müsste. Inzwischen gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass der deutschsprachige Raum, unbemerkt vor seiner offiziellen Einführung im Jahr 1957 durch Jürgen Seydel mit dem Karate in Berührung kam.

  1. Bereits 1910 führt das Große Japanisch-Deutsche Wörterbuch von Kinji Kimura den Begriff „karate“ (空手), der dort mit „leeren Händen“ übersetzt wird, allerdings ohne Bezug zum Karate, das bis auf Ausnahme von Chômo Hanashiros Aufsatz von 1905, hauptsächlich noch mit China-Hand (唐手) transkribiert wurde.
  2. 1935 ist es der japanische Verleger, Kendôka und frühere Lehrer Seiji Noma, der in der deutschen Übersetzung seiner Biographie von Karate berichtet, das er während seiner Okinawa-Aufenthaltes von 1904-1908 kennenlernte. In diesem Zusammenhang aber nennt er es nicht Karate, sondern nutzt für die „eigentümliche Kunst der Selbstverteidigung und des Angriffs“ die damals ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung „tekobushi„.
  3. 1954 findet sich dann die Bezeichnung Karate in „Beiträge zu einer kulturhistorischen Bibliographie der Ryūkyū (Okinawa)-Inseln“ von Rolf Birkenstein, in der er das Buch von Chôki Motobu „Okinawa Kenpo Karate-jutsu Kumite-hen“ von 1926 unter 唐手 auflistet. In der 1955 Rezension dieses Buches kritisiert der Japanologe Bruno Lewin unter anderem, dass Birkenstein nicht erläutert, um was es sich dabei handelt: „… [M]an erwartet bei  … (Ringkampf im Karate-Stil) „Beschreibung der Karate-Technik“ … ein Wort über die spezifisch ryukyuanische Form des Faustkampfes“.
  4. Der deutsch-amerikanische Fotograf Hermann Landshoff nahm 1958 eine Bilderstrecke für das Modemagazin Mademoiselle auf,   in der Masatoshi Nakayama und Hirokazu Kanazawa Karatetechniken ausführen. Die Fotos sind im Bestand des Münchner Stadtmuseums.
  5. Der Taunusbote vom 29. Januar 1958 berichtet in einem Artikel über „Karate – das Fechten ohne Waffe“.
  6. Nach vielen weiteren Zeitungsartikel findet sich für 1960 die deutsche Übersetzung des Buches von Wallace W. Reumann: „Super-Karate. Kunst der Selbstverteidigung“, National Clearance Bureau als Loseblattsammlung in Buchform. 1961 gibt Seydel schließlich sein populäres dreiteiliges Karate-Lehrbuch heraus.

Sehr wahrscheinlich, dass dies noch nicht alles gewesen ist. Weitere Zufallsfunde werden sicherlich folgen.

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