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Darf ich vorstellen: Kinjō Chinzen (金城 珍善, 1873-1961). Kinjō war vielleicht der erste Okinawaner, der Karate in einem echten Kampf auf Hawai’i einsetzte. Kinjō kam als einer der ersten okinawanischen Einwanderer im Jahr 1900 auf die Pazifikinseln. Er arbeitete dann als Landarbeiter auf einer hawaiianischen Plantage, deren Aufseher dafür bekannt waren, sehr brutal zu den von ihnen beaufsichtigten Arbeitern zu sein. Kinjō erinnerte sich in einem Interview mit Reverend Yamasato Jikai (veröffentlicht 1981): „Es gab niemanden, der nicht ausgepeitscht wurde. Einmal, als dieser [Aufseher] mich auspeitschte …, war ich wirklich wütend und all die Wut, die bis dahin in mir unterdrückt worden war, explodierte und ich forderte ihn mit Karate heraus. … Schließlich warf ich ihn zu Boden. … Ich war kurz davor, mich auf ihn zu stürzen und mein ganzes Leben mit diesem einen Schlag zu riskieren. Diese Begegnung ereignete sich 27 Jahre bevor Yabu Kentsū (屋部憲通, 1866-1937) seinen Fuß auf die Hawaii-Inseln setzte. Karate war in der lokalen okinawanischen Gemeinschaft keineswegs unbekannt, und fernab der Entwicklungen in Okinawa etablierte sich auf Hawai’i eine Art eigene Karate-Subkultur. Chinzens Sohn Kinjō Chin’ei (金城珍栄, 1899-1987) kam 1918 nach Hawai’i. 1926 wurde Chin’ei gebeten, die japanischsprachige Zeitung Yōen jihō (jap. 洋園時報) auf Kauai zu leiten, was er den größten Teil ihrer 49-jährigen Geschichte lang tat, seit 1928 als Eigentümer und Präsident. Kinjō Chin’ei praktizierte auch Karate und lud Miyagi Chōjun (宮城長順, 1888-1953) ein, Hawaii zu besuchen und 1934 Karate zu demonstrieren. Yabu Kentsūs Zeit in Hawai’i ist eine wichtige Episode seines Lebens. Sein neunmonatiger Aufenthalt wird in meinem Buch sehr ausführlich behandelt.

Bildnachweis: Hawaii Times Photo Archives Foundation